Der Profi am Arbeitsmarkt

Pilotprojekt: Die anonymisierte Bewerbung!

Berlin – Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen mit Kindern und Ältere sollen im Beruf die gleichen Chancen haben: Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) will ein Jahr lang anonymisierte Bewerbungsverfahren auf Umsetzbarkeit testen. Das Pilotprojekt solle zeigen, “ob es bisher oft benachteiligte Gruppen tatsächlich öfter in Vorstellungsgespräche und in Jobs schaffen als bisher”, sagte die Leiterin der Stelle, Christine Lüders, am Donnerstag in Berlin. Man wolle zudem herausfinden, welche konkreten Methoden sich am besten eignen und welche Arbeitsfelder vielleicht besondere Erfolge verzeichnen.

Mit dem Start für das Pilotprojekt am Donnerstag besetzen fünf Unternehmen sowie das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Stadt Celle ausschließlich auf der Grundlage von Angaben zu Bildung und Qualifikation 225 Stellen – von der Lehrlingsausbildung bis zu Jobs im Kundenservice oder im mittleren Management. Zu den Unternehmen gehören auch die Deutsche Post und das Kosmetikunternehmen L’Oréal. Mögliche Verfahren seien Online-Bewerbungen oder standardisierte Bewerbungsformulare per E-Mail oder Post, jeweils ohne Informationen zu Name, Alter, Herkunft und Geschlecht.

Lüders erklärte, sobald die Einladung zum Vorstellungsgespräch ausgesprochen sei, erhielten die Personalverantwortlichen die kompletten Unterlagen der Bewerber. So könne man zwar nicht generell Diskriminierung ausschließen: “Uns geht es um die Chancengleichheit in der ersten Phase des Verfahrens”, sagte Lüders. Derzeit bekämen viele Menschen trotz hoher Qualifikation gar nicht erst die Chance auf ein persönliches Gespräch. So manches Vorurteil verliere seine Kraft, wenn man sich erst einmal gegenübersitze, meinte Lüders.

Der Oberbürgermeister der Stadt Celle, Dirk-Ulrich Mende, sagte: “Ich glaube, dass es gelingen kann, einen ganz anderen Bewerberpool zu gewinnen.” In Celle seien zehn Prozent der Bevölkerung kurdische Jesiden – 80 bis 90 Prozent von ihnen besäßen die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Minderheit bewerbe sich erst gar nicht bei der Stadtverwaltung, weil sie sich aufgrund ihres Hintergrundes chancenlos sehe, sagte Mende.

Quelle:www.net-tribune.de

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